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Hermann Schittenhelm (10.09.1893 – 20.02.1979) gilt als Begründer der Trossinger Harmonikamusik. Er wirkte dort als Instrumentenbauer, Harmonika-Virtuose, Orchesterleiter, sowie als Komponist anspruchsvoller Volksmusik für Harmonika-Instrumente.

Biografie

Hermann Schittenhelm war Sohn eines Land- und Gastwirts in Boll bei Oberndorf am Neckar. Schon als Kind spielte Hermann auf der Geige gemeinsam mit seinen drei Brüdern – einer auf der Gitarre, zwei auf der Ziehharmonika – in der Gastwirtschaft zum Tanz auf. Bald bekam er auch eine kleine, diatonische Handharmonika und erlernte darauf das Spielen, wie damals üblich, im Selbststudium nach Gehör. Weil der Bub großes Talent zeigte, kaufte sein Vater dem Fünfzehnjährigen ein größeres Instrument. Hermann Schittenhelm erlernte bei den Mauser-Werken in Oberndorf den Beruf des Feinmechanikers.  Als er 1914 zum Kriegseinsatz an der Westfront eingezogen wurde, nahm er selbstverständlich seine Harmonika mit – bis an die vorderste Front.

Heimgekehrt vom Ersten Weltkrieg ließ er sein malträtiertes Instrument bei Hohner im nahen Trossingen reparieren und schlug dabei auch technische Verbesserungen vor. Irgendwann lernte dort Ernst Hohner den tüchtigen Burschen kennen und engagierte ihn in einer Doppelfunktion: Zum einen sollte er bei der technischen Weiterentwicklung der Instrumente mitwirken, zum anderen den heimischen Nachwuchs im Spiel der Harmonika unterrichten. Hierfür befasste sich Schittenhelm erstmals mit dem Spiel nach Noten in den damals gängigen Griffschriften. Im Auftrag von Hohner erwarb der Autodidakt Schittenhelm beim Komponisten Hugo Herrmann theoretische Grundlagen für seine pädagogische Arbeit und gründete 1929 die „Hohner-Handharmonika-Fachschule“. Dieses Institut wurde 1935 von Hugo Herrmann selbst übernommen und war der Vorläufer des heute noch bestehenden Hohner-Konservatoriums. Der Geschäftsmann Ernst Hohner nutzte den begabten Handharmonika-Virtuosen natürlich auch fürs Marketing, indem er ihn regelmäßig in der Schweiz beim Rundfunk auftreten ließ. Dabei lernte Schittenhelm die dort schon damals verbreiteten Harmonika-Spielgruppen kennen. 1925 stellte er in Trossingen das „Schittenhelm-Quintett“ zusammen; aus dieser Keimzelle entstand 1927 das heute noch bestehende „Hohner-Akkordeonorchester“. Dieses Orchester, in dessen Struktur noch immer das ursprüngliche Quintett erkennbar war, trat im Rundfunk auf und wurde zum Vorbild für zahlreiche, neu entstehende Handharmonika-Spielringe und Akkordeon-Orchester im damaligen Dritten Reich. Schittenhelms aus der Volksmusik entwickelter Stil stand ja auch im Einklang mit der bei den Machthabern bevorzugten Musikrichtung.

Hermann Schittenhelm wurde so zum Urgestein der Trossinger Harmonikabewegung und zur Vaterfigur für die Freunde anspruchsvoller, volkstümlicher Harmonikamusik. Seine Schlichtheit des musikalischen Empfindens, sein Instinkt für den richtigen Klang des Instruments, sowie sein virtuoses Können als Meisterspieler begeisterten das Publikum über mehr als zwei Jahrzehnte. Schittenhelms „volkstümliche Harmonikamusik“ ist nicht wirklich Volksmusik, sondern in der schwäbisch-alemannischen Volksmusik verwurzelte Kunstmusik. Sie ist von edler Naivität, aber niemals trivial; sie verzichtet einerseits auf vordergründige Effekthascherei, die doch nur ein Strohfeuer der Begeisterung entzündet, andererseits aber auch auf belastende Gedankentiefe, um die Freude am Spiel nicht zu trüben. Wenn der Harmonikaner von Schittenhelms Stücken zwar nicht sofort in Verzückung gerät, so spürt er doch deren Qualität; er bleibt er ihnen treu und erfreut sich immer wieder daran.

Nach dem Krieg galt Schittenhelms Musikstil, an dem er unerschütterlich festhielt, jedoch bei vielen Akkordeonisten allmählich als zu altmodisch und von zu niedrigem Niveau. 1968 drängte man Hermann Schittenhelm, das Hohner-Akkordeonorchester an den fortschrittlicher eingestellten Rudolf Würthner zu übergeben. Schittenhelm war gekränkt und verließ Trossingen, um den Lebensabend in St. Ingbert zu verbringen. Dass seine Musik besonders für die Heranbildung des Nachwuchses noch immer geschätzt wird, belegen die wiederkehrenden Neuauflagen der Noten.

Werke

9 interpretierte Tanzstücke für Solo-Akkordeon: 

  • Schwarzwälder Rheinländer (1935)
  • Bauernhochzeit – Ländlicher Tanz, Rheinländer (1938)
  • Der Schwarzwälder – Volkstanz, Rheinländer) (1938)
  • Bravissimo – Intermezzo (1941)
  • Der Eisläufer – Intermezzo (1942)
  • Mit flottem Schritt – Marsch (1942)
  • Die Bauernkapelle – Rheinländer) (<1948)
  • Der lustige Handörgler – Ländler) (<1948)
  • Die Schnatterbas – Polka (<1948)

Sonstige mir bekannte Kompositionen für Solo-Akkordeon:

  • Der Handharmonikaner – Ländler (1937)
  • Viktoria-Fox – Foxtrot (<1938)
  • Schwäbisch Blut – Ländler (1938)
  • Lustige Leut – Volkstanz (1939)
  • Mitternächtlicher Spuk – Intermezzo (<1948)
  • Weinlese – Rheinländer (<1950)
  • Münchner Humor – Schützenmarsch (1950)

Mit Rücksicht auf Urheberrechte veröffentliche ich meine Interpretationen noch nicht im Internet. Interessenten dürfen mich gerne kontaktieren und um gratis MP3-Kopien zur privaten Verwendung bitten oder um Zugang zur privaten Akkordeon-Lounge.

Quellennachweis:

  • Sehr ausführliche Schittenhelm-Biografie auf der Website von Harmonikabau Oellerer, Freilassing.
  • Kurzbiografie auf der Website des Hohner-Orchesters Trossingen.
  • Dr. Thomas Eickhoff: Schittenhelm-Portrait in „accordeon magazin“, 2011, Heft 3, Seite 14.
  • Hofmeisters musikalisch-literarische Monatsberichte der Jahrgänge 1935 bis 1947.
  • Deutsche Nationalbibliothek, Musikarchiv.