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Heinz Munsonius (07.09.1910 – 23.02.1963) war Akkordeon-Virtuose, Komponist und Leiter eigener Solisten-Ensembles im Genre der seinerzeit populären Tanzmusik. In der Glanzzeit der Harmonika, etwa von 1935 bis 1955, gehörte er neben Will Glahé und Albert Vossen zum „Dreigestirn der großen Akkordeonisten Deutschlands“.

Biografie Heinz Munsonius_b

Heinz Munsonius entstammte einer Berliner Familie. Auf Wunsch der Eltern erlernte er den Beruf des Schriftsetzers, nebenher aber nahm er Unterricht in Klavier und Musiktheorie. Schließlich ersparte er sich ein Piano-Akkordeon, auf dem er bereits früh ein beachtliches Können entwickelte. Oft musizierte er gemeinsam mit seinem Jugendfreund Heinz Gerlach in einem Kreis von Kameraden, die sich für den damals aufkommenden Swing-Jazz begeisterten. Als er während der 1929 ausgebrochenen Weltwirtschaftskrise arbeitslos wurde, konnte er sich notgedrungen als Akkordeonspieler über Wasser halten, indem er unter anderem als Begleiter eines Clowns in Varietés auftrat.

Schon bald wurde der junge Munsonius im damals aufs Tanzen versessenen Berlin durch sein hinreißendes Spiel bekannt. Er trat im Rundfunk auf, komponierte und arrangierte Tanzmusik (Belegfoto). Der Musikproduzent Kristall/Imperial (später EMI Elektrola) nahm ihn von 1936 (?) an bis 1943 unter Vertrag, und schon im Sommer 1937 entstanden die ersten Studioaufnahmen. Im September 1937 heiratete Heinz Munsonius und bezog eine Wohnung in Berlin-Schöneberg. Dort entstanden in jenen glücklichen Jahren seine erfolgreichsten Tanzstücke der Gattungen Polka, Walzer, Foxtrot und Tanz-Intermezzo. Aus jener Zeit stammen auch die besten Schallplattenaufnahmen mit seinen Solisten-Ensembles. 1943 endete diese fruchtbare Schaffensperiode, als Munsonius zur Wehrmacht eingezogen und für die Truppenbetreuung beim Soldatensender Krim eingesetzt wurde (Belegfoto).

Vom Krieg heimgekehrt, zog Munsonius nach Berlin-Wilmersdorf; beruflich bedingt pendelte er aber ständig zwischen Berlin und München. Als Komponist zahlreicher Tanzstücke und Leiter von Solisten-Ensembles knüpfte er nochmals an seine früheren Erfolge beim Rundfunk und mit Schallplattenaufnahmen an. Allerdings beeinträchtigte ihn eine Gelbsucht, die er sich im Kriegseinsatz zugezogen hatte. An deren Spätfolgen verstarb er im Februar 1963. Da Munsonius Ehe kinderlos geblieben war, ging sein Erbe letztlich an die Nachkommen einer Schwägerin. Der materielle Nachlass wurde leider irgendwann so gründlich entsorgt, dass nur sein Gästebuch sowie ein paar private Fotos bis heute erhalten blieben. Die Musik von Heinz Munsonius lebt jedoch fort in vielen beschwingten Kompositionen und hinreißenden Schallplattenaufnahmen.

Munsonius und seine SolistenHeinz Munsonius pflegte vielfältige Bekanntschaften. Wer ihm persönlich begegnete, schätzte seine freundliche, bescheidene Wesensart und sein kameradschaftliches Verhalten. So konnte Munsonius immer wieder hervorragende Musiker für seine Solisten-Ensembles gewinnen. In variabler Besetzung gehörten dazu unter anderem

  • Freddie Brocksieper (Schlagzeug),
  • Fred Peltzer (Piano),
  • Willy Berendt, Mike Danzi, Jani Nemeth (Gitarre),
  • Franz Teddy Kleindin (Saxofon),
  • Helmut Zacharias (Violine).

Munsonius trat nicht nur mit seinen eigenen Solisten auf, sondern er wirkte auch als Akkordeonist in anderen Ensembles mit, vor allem bei Einspielungen des berühmten Michael-Jary-Tanzorchesters. Im Jahr 1941 entstand eine Aufnahme des Schlagers „Lili Marleen“, begleitet von einem „Orchester Heinz Munsonius“. Auch mit anderen Akkordeonisten, wie Heinz Gerlach oder Hans Jungherr, arbeitete Munsonius zusammen und führte deren Werke auf. Er spielte sogar beliebte Kompositionen seiner berühmten Konkurrenten Glahé und Vossen, die ihrerseits Erfolgsstücke von Munsonius darboten.

Werke

18 interpretierte Tanzstücke für Solo-Akkordeon: Munsonius011

  • Mein Rhythmus – Foxtrot (1938)
  • Wir unter uns – Medium-Fox (1946)
  • Talisman – Valse musette (1943)
  • Fenstergucker – Foxtrot
  • Laufmaschen – Medium-Fox (1939)
  • Kurz und gut – Polka (1940)
  • Flatterie – Valse musette
  • Karo Sieben – Foxtrot
  • Im Fahrwasser – Foxtrot (1947)
  • Budenzauber – Polka (1943)
  • Katzensprünge – Fox-Intermezzo (1936)
  • Kleiner Mohr – Foxtrot (1939)
  • Montmartre – Valse musette (1940)
  • Finessen – Foxtrot (1946)
  • Tutti-Frutti – Foxtrot (1942)
  • Schnick-Schnack – Polka (<1947)
  • Kosaken-Patrouille – Foxtrot (1953)

Mit Rücksicht auf Urheberrechte veröffentliche ich meine Interpretationen noch nicht im Internet. Interessenten dürfen mich gerne kontaktieren und um gratis MP3-Kopien zur privaten Verwendung bitten oder um Zugang zur privaten Akkordeon-Lounge.

Die Noten zu diesen Stücken erschienen ursprünglich im Verlag Robert Rühle. Sie sind zwar oftmals im Handel vergriffen, aber meistens noch antiquarisch zu beschaffen.

Quellennachweis

  • Horst H. Lange in „Heinz Munsonius der Akkordeon-Virtuose“; Doppel-LP, erschienen bei EMI Electrola.
  • Heinz Munsonius, Kurzbiografie in Wikipedia.
  • Jörg Martin Munsonius (Großneffe), private Kommunikation.
  • Hofmeisters musikalisch-literarische Monatsberichte der Jahrgänge 1936 bis 1947.
  • Deutsche Nationalbibliothek,  Musikarchiv.