Willkommen in Karls MIDI-Hobby-Lounge!

Karl's Audio Workstation

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Wer einen neugierigen Blick in meine Hobby-Werkstatt werfen möchte, erfährt im Kapitel Meine MIDI-Geschichte, wie mein Interesse am MIDI-Hobby entstand und was ich auf diesem Gebiet bisher erreicht habe.

Wer, angeregt durch diese Geschichte, mir nacheifern möchte, sollte das Kapitel Meine MIDI-Methode lesen. Den Zeitaufwand für solche Hobbyarbeit schätze ich auf etwa 1 bis 2 Tage je Notenblatt.

Und viel Vergnügen mit den Beispielen!

Meine MIDI-Geschichte

Piano-MIDI

Schon vor Jahren wurde ich auf die beiden MIDI-Stecker an der Rückseite unseres Clavinova Digital-Pianos aufmerksam und fand in der Bedienungsanleitung heraus: Über den MIDI-OUT-Stecker können Anschlagsinformationen aus dem Clavinova an andere elektronische Musikinstrumente oder an Computer gesendet werden und das Clavinova kann fremdgesteuert werden, wenn es über den MIDI-IN-Stecker Anschlags­informationen empfängt. Mehr darüber findet man in Wikipedia unter dem Schlagwort MIDI. Später kam mir die Idee, mich vom computergestützten Clavinova beim Singen begleiten zu lassen. Damals hatte ich noch wenig Ahnung von computergestützter Musik; aber junge Computer­begeisterte sagten mir, dass außer dem Clavinova und einem Laptop noch ein wenig Zusatzausrüstung benötigt würde: Erstens ein MIDI-zu-USB Interface-Adapter mitsamt Treiberprogramm, um das Clavinova mit meinem Laptop zu verbinden, und zweitens ein Sequenzer-Programm, um die MIDI-Daten (kurz: MIDIs) auf dem Computer zu verarbeiten. „Gesagt, getan“ waren Hard- und Software alsbald nachgerüstet.

Dann wurde das Internet eine wertvolle Quelle von MIDI-Information. Als ich das Worldwide Web nach MIDIs durchstöberte, entdeckte ich etliche Seiten mit Klaviermusik im MIDI-Format. Ich konnte die Dateien auf meinen Laptop herunter laden und damit das Clavinova spielen lassen. – Wunderbar! Als Bassist – wenn auch nicht auf künstlerischem Niveau – singe ich gerne Lieder und Balladen aus der Zeit der Romantik. Aber es war schier unmöglich, Klaviermusik im Audio- oder MIDI-Format als Begleitung zu meinem Gesang zu finden. Schließlich fand ich im Web mehrere Plattformen mit MIDI-Dateien zu klassischen Klavierliedern, oft kostenlos herunterzuladen. Dies sind gewöhnlich Roh-MIDIs, die nur die bloßen Noten abbilden, ohne jegliche musikalische Verarbeitung. Dennoch sind solche Roh-MIDIs als Grundlage zur weiteren Verfeinerung willkommen. Mithilfe des MIDI-Sequenzers lernte ich rasch, wie man auf einem PC verfeinerte Klavierbegleitungen erstellt. Das ist nicht schwierig, aber zeitraubend, wenn man musikalischem Anspruch genügen will. Also beschloss ich, selbst Klavierbegleitungs-MIDIs für mein privates Singen anzufertigen.

Weil das Clavinova in unserem Wohnzimmer steht, durfte die ganze Familie meine Musik genießen – gewollt oder ungewollt. Deshalb besorgte ich mir eine Software zur Klangerzeugung, und konnte nun aus den MIDI-Dateien bereits auf dem Computer Audiodateien herstellen. Die auf CD gebrannten Audiodateien waren dann allerorts und jederzeit auf jeder Stereoanlage abspielbar. Folglich geriet das Clavinova in Vergessenheit, und meine musikalische Aktivität verlagerte sich vom Wohnzimmer in mein Arbeitszimmer im Keller.

Akkordeon-MIDI

Ebenso wie elektronische Keyboards besitzen auch elektronische Akkordeons MIDI-IN und MIDI-OUT Anschlüsse. Aus gewöhnlichen Akkordeons macht man MIDI-Akkordeons, indem man Sensoren nachrüstet, die MIDI-Informationen ausgeben bezüglich Tastenbetätigung und Balgdruck.

Wer sich für Tanzmusik-Evergreens begeistert, sollte einen Blick werfen auf die Accordion MIDI Website des norwegischen Virtuosen Nils-Helge Brede. Bei ihm ist das Akkordeon eingebunden in ein kleines Ensemble mit Schlagzeug. Meine eigenen Stücke hingegen, die ich in der Akkordeon-Lounge darbiete, präsentieren das Akkordeon als Solo­instrument, da ich dem Zuhörer einen Eindruck von meinem persönlichen Spielerlebnis vermitteln möchte.

Üblicherweise wird das Akkordeon als Instrument der Volksmusik erachtet. Dass es aber mehr sein kann, sei durch folgende Transkriptionen angedeutet:

  • Toccata und Fuge in D-Moll (BWV 565) – Johann Sebastian Bach (1685 – 1750)
      •    Toccata (transkribiert für Akkordeon-Solo)   Toccata BWV 565
      •    Fuge (transkribiert für Akkordeon-Duo oder -Trio)  Fuga BWV 565

Audio

MIDIs dienen nie zum Selbstzweck; das Ergebnis sind letztlich immer Audio-Produkte. Klassische Klavierbegleitungen und Akkordeon-Oldies waren die eigentlichen Ziele meines MIDI-Hobbys. Allerdings regte mich meine Audioausstattung an, ihr Anwendungsgebiet zu erweitern. Kürzlich erwarb ich ein hochwertiges Mikrofon, um damit meinen eigenen Gesang aufzunehmen; die Ergebnisse waren ziemlich enttäuschend, was weniger am Mikrofon lag. Familienmitglieder, die meinen Frust bemerkten, schlugen mir weise vor, das Mikrofon zu gebrauchen, um Märchen für meine Enkelkinder aufzunehmen. Die Ergebnisse stelle ich in Opa Karls Märchenstube vor.

Meine MIDI-Methode

Piano-MIDI erlernen

Stücke aus der Renaissance- oder Barockzeit erfordern naturgemäß vergleichsweise wenig Feinabstimmung bezüglich Lautstärke und Tempo; daher eignen sie sich gut für erste MIDI-Übungen. Hier zwei Beispiele:

        • Bist Du bei mir aus „Notenbüchlein für Anna Magdalena Bach“ (BWV 508) – Gottfried Heinrich Stölzel (1690 – 1749)
          download MIDI file   Bist Du bei mir
        • Fuga a 3 Voci in C-Moll. aus „Wohltemperiertes Clavier“ (BWV 847) – Johann Sebastian Bach (1685 – 1750)
          download MIDI file   Fuge C-Moll

Als Fortgeschrittener lud ich einige fein ausgearbeitete, klassische Piano-MIDIs aus dem Internet herunter in mein Sequenzer-Programm, wo ich sie studierte und übungshalber bearbeitete. Auf diese Weise entdeckte ich die von MIDI-Experten angewandten Techniken und eignete sie mir an; so erkannte ich auch, worauf es beim Ausprägen musikalischer Phrasen hauptsächlich ankommt. Diese Übung würde ich jedem Neuling empfehlen. Folgende Internet-Plattformen bieten gut ausgearbeitete Piano-MIDIs an, die man zum Üben verwenden kann:

Mehrere romantische Klavierstücke resultierten aus solchen MIDI-Übungen:

Klavierlied-MIDIs erstellen

Wenn mir ein Lied gefällt, das virtuose Klavierbegleitung erfordert, erwerbe ich die Noten und suche im Internet nach einem Roh-MIDI. Finde ich keines, gebrauche ich den Piano-Roll-Editor meines Sequenzers um sämtliche Noten am Bildschirm einzutippen. Das ist zwar ein mühsames Geschäft, aber so gewinne ich einen gründlichen Einblick in die Komposition. Als MIDI-Anfänger gebrauchte ich noch das Clavinova, um die Töne schrittweise über die Klaviatur einzugeben. Davon ließ ich jedoch wieder ab, weil es mir keinen Vorteil brachte. Jetzt verwende ich auch ein Notenscanner-Programm, das diese Aufgabe unterstützt. Obwohl mich seine Resultate nicht ganz zufrieden stellen, erspart es doch Zeit.

Als nächstes gehe ich durch die drei Notenspuren und achte dabei auf die musikalischen Phrasen (Abschnitte). Ich stelle die Lautstärken (Note Velocities), die Tondauern und das Tempo grob ein, entsprechend den Vorgaben des Komponisten im Notenbild. Die Sequenz klingt in diesem rohen Zustand noch wenig ansprechend.

Als musikalischer Laie kann ich nicht auf meine Fähigkeit vertrauen, die Musik stilistisch korrekt zu interpretieren. Deswegen suche ich nach einer guten Interpretationen des Liedes und wähle sie als mein Modell. Manchmal kann ich der Vorlage nicht in jeder Hinsicht zustimmen. Wenn Interpreten klar die Vorgabe des Komponisten verletzen oder wenn ich einfach überzeugt bin, dass meine eigene Interpretation ebenso gut ist, dann folge ich selbstverständlich meiner eigenen Auffassung. Mit dem Musterbeispiel im Ohr arbeite ich mich nun nochmals durch die Sequenz, Phrase um Phrase, und überarbeite die Tondauern, Lautstärken und das Tempo. Was ich hier musikalische Phrase nenne, mag mehrere Takte umfassen oder gelegentlich auch nur eine bedeutsame Tonfolge, für die ich einige Mühe aufwende.

In zwei weiteren Durchgängen notiere ich dann das Pedal für die Klavierspuren und die variablen Lautstärkeverläufe (Expression) für die Blasinstrumentenspur (Behelf für die Gesangsspur). In diesem verfeinerten Zustand klingt die Sequenz schon gut genug um als Klavierbegleitung zu dienen. Trotzdem lassen sich die MIDI-Spuren jetzt noch leicht anpassen und optimieren.

Die erste Hörprobe auf der Stereoanlage führt gewöhnlich zu notwendigen Korrekturen. Erst nachdem diese erledigt sind, mache ich mich an die abschließende Feineinstellung unterschiedlicher Tondauern und -stärken innerhalb von Akkorden, denn danach werden zusätzliche Nachbesserungen erheblich schwieriger.

Akkordeon-MIDIs erstellen.

Wenn ich Klavierbegleitungen für meinen Gesang erstelle, folge ich strikt dem General MIDI (GM) Standard. Weil ein Akkordeon aber alle gleichzeitig gespielten Töne gleich laut erzeugt, lässt es mein Akkordeon-Klanggenerator nicht zu, die Tonstärken wie bei GM üblich über die Anschlag­stärken zu steuern. Stattdessen gebrauche ich die eigentlich für den Lautstärke­verlauf vorgesehene Steuerung (Expression Controller), um die Tonstärken zu steuern. Andererseits bietet der Klanggenerator eine spezielle MIDI-Tabulatur (entsprechend dem gebräuchlichen Stradella-System) für die mit der linken Hand gespielten Knöpfe. Dieser grundlegenden Eigenschaften halber weiche ich vom GM-Standard ab, wenn ich Akkordeonmusik produziere. Da die MIDI-Sequenzen außerdem etliche Mängel oder Tücken des Klanggenerators kompensieren müssen, sind sie nur auf meinem speziellen System verwendbar.

Ich besitze kein MIDI-Akkordeon. Als ich mit meinem MIDI-Hobby begann, spielte ich die Noten mithilfe des Clavinovas ein; später verwendete ich einen Noten-Scanner. Bei beiden Verfahren muss jedoch jede erfasste Note anschließend nochmals von Hand nachgebessert werden. Aufgrund mehrjähriger Erfahrung erfasse ich inzwischen alle Noten unmittelbar am Editor meines Sequenzers. Das geht am schnellsten und bereitet am meisten Vergnügen, weil dabei sofort gefällige Musik entsteht.

Erläuterungen hierzu.

 

Karl der Größte (Daniel Braxton)