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Will Glahé (12.02.1902 – 21.11.1989) war ein deutscher Pianist, Akkordeonist, Komponist, Arrangeur und Orchesterleiter im Genre der Populärmusik.  Da Will Glahé seine Welterfolge mit dem Akkordeon erspielte und auch einige beliebte Tanzstücke für das Akkordeon komponierte, zählt man ihn neben Heinz Munsonius und Albert Vossen zum „Dreigestirn der großen Akkordeonisten Deutschlands“.

Biografie

Will Glahé stammte aus Wuppertal. Schon im Kindesalter spielte er Klavier und studierte später dieses Fach neben Musiktheorie und Dirigieren an der Musikhochschule in Köln. Während des Studiums und in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg finanzierte er seinen Lebensunterhalt als Barpianist in Köln und Umgebung. 1929 ging er nach Berlin und wurde zunächst Pianist beim berühmten Unterhaltungsorchester Dajos Béla, aber schon 1932 gründete er sein eigenes Orchester, das im Berliner Tanzlokal Delphi-Palast residierte und vielfältige Stilrichtungen pflegte.

Glahe, der ein Gespür dafür besaß, was beim breiten Publikum ankommt, setzte in den dreißiger Jahren auf das damals aufkommende Piano-Akkordeon, aber nicht wie Munsonius und Vossen auf den noch jungen Swing-Stil, sondern ganz auf populäre Musik und Akkordeon-Arrangements beliebter Schlager anderer Komponisten (Belegphoto). Gleichwohl komponierte er auch selbst einige bekannte Tanzstücke für das Akkordeon. Sein erster großer Erfolg wurde 1936 eine Aufnahme der für Akkordeon arrangierten Polka „Rosamunde“ von Jaromír Vejvoda; diesen Erfolg übertraf er 1939 in den USA mit einer Aufnahme der gleichen Komposition unter dem Titel „Beer Barrel Polka“ und erspielte damit seine erste Goldene Schallplatte. Er entwickelte sich – vor allem in den USA – zum Polkakönig und schaffte es schließlich auf insgesamt 17 Goldene Schallplatten.

Im Zweiten Weltkrieg wurde Glahé von 1941 an zur Truppenbetreuung beim Soldatensender Belgrad eingesetzt; auch die Deutsche Arbeitsfront „Kraft durch Freude“ verpflichtete ihn zu Auftritten. Gegen Kriegsende wurde er noch als Soldat eingezogen und kam leicht verwundet in englische Gefangenschaft. Da man ihn als Musiker kannte, wurde er auch dort als Band-Leader beschäftigt, und nach der Entlassung konnte er alsbald beim Südwestfunk seine Musikerkarriere fortsetzen. Er setzte nach wie vor auf Akkordeon-Arrangements populärer Schlagermusik und erzielte 1958 mit der „Liechtensteiner Polka“ nochmals einen Treffer. Ich selbst erlebte ihn damals im Schwarz-Weiß-Fernsehen mit seinem Intermezzo „Im Gänsemarsch“. Glahé zog 1960 mit seiner Frau in die Schweiz, kehrte aber 1974 zurück nach Deutschland und lebte bis 1989 in Bad Honnef.

Glahés beliebte Kompositionen für das Akkordeon stammen noch aus der Vorkriegszeit. Später missbrauchte er sein musikalisches Talent um des geschäftlichen Erfolges willen mehr und mehr nur noch für die massenweise Produktion arrangierter Unterhaltungsmusik auf vulgärem Niveau.  Das darf man ihm zu Recht vorwerfen. Andererseits weckte sein einträgliches Geschäft den Neid der Berufskollegen und mancher „große Akkordeonist“ versuchte es ihm gleichzutun – allerdings mit weniger Erfolg.

Werke

10 interpretierte Tanzstücke für Solo-Akkordeon:

  • Rosamunde – Polka (1936)
  • Huckepack – Intermezzo (1940)
  • Grillenhochzeit – Musette-Walzer (1938)
  • Auf und ab – Polka (1941)
  • Flimmerkiste – Intermezzo (1941)
  • Leichtes Spiel – Polka (1934)
  • Auf Zehenspitzen – Musette-Walzer (1941)
  • Scherenschleifer – Intermezzo (1935)
  • Quecksilber-Polka (1937)
  • Im Gänsemarsch – Intermezzo (1938)

Sonstige mir bekannte Kompositionen für Solo-Akkordeon:

  • Steckenpferd – Intermezzo (1934)
  • Schabernack – Foxtrot (1939)
  • Schützenfest – Böhm. Polka (1939)
  • Hosenmatz – Tanz-Intermezzo (1940)
  • Der Favorit – Intermezzo (1940)

Mit Rücksicht auf Urheberrechte veröffentliche ich meine Interpretationen noch nicht im Internet. Interessenten dürfen mich gerne kontaktieren und um gratis MP3-Kopien zur privaten Verwendung bitten oder um Zugang zur privaten Akkordeon-Lounge.

Die Noten zu diesen Stücken erschienen wiederholt in verschiedenen Verlagen und sind meistens auch noch antiquarisch zu beschaffen.

Quellennachweis:

  • Biografie bei Grammophon-Platten.
  • Will Glahé, Kurzbiografie in Wikipedia.
  • Hofmeisters musikalisch-literarische Monatsberichte der Jahrgänge 1936 bis 1947.
  • Deutsche Nationalbibliothek, Musikarchiv.