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Heinz Gerlach (04.03.1910 – 25.10.1943), ein deutscher Musiker und Komponist, wurde berühmt durch seine Harmonika-Polka „Tanzende Finger“.

Biografie Heinz Gerlach

Heinz Gerlach entstammte einer Berliner Arbeiterfamilie. Seine Eltern wanderten kurz vor dem Ersten Weltkrieg nach Uruguay aus. Weil sie aber dort „im Urwald“ nicht zurechtkamen, kehrte die Mutter mit Sohn Heinz und seinen drei älteren Schwestern wieder heim nach Berlin-Wedding. Heinz Gerlach wurde Feinmechaniker von Beruf, widmete sich aber nebenher leidenschaftlich der Tanzmusik. Ein vom Tanzen begeistertes Fräulein Charlotte (1910 – 1996) verliebte sich in den blonden Musikus und heiratete ihn. Aus der Ehe gingen die Kinder Karl-Heinz (1931-1992), Gerhard (1934-1991) und Ursula (1940) hervor. (Anmerkung: Sie trug wesentlich zu dieser Biographie bei.) Im 2. Weltkrieg wurde der extrem fehlsichtige Mann dennoch zur Wehrmacht eingezogen und fiel bald darauf an der Ostfront. Seine Witwe mit ihren 3 Kindern wurde im Krieg mehrmals ausgebombt, verlor dabei Hab und Gut, blieb aber trotzdem noch jahrelang ihrer Heimat Berlin-Wedding treu. Sie konnte ihre Familie auch mit Tantiemen aus den erfolgreichen Kompositionen ihres Gatten über Wasser halten. Bei der Herausgabe dieser Werke half ihr die befreundete Musikverlegerin Martha Czichon (Edition Metropol).

Ob Heinz Gerlach je Musik studiert hat, ist nicht bekannt; vermutlich ließ er sich gemeinsam mit seinem gleichaltrigen Freund Heinz Munsonius neben der Feinmechanikerlehre her in Musiktheorie unterrichten. Aber Heinz besaß eine erstaunliche Musikalität. Von Kindesbeinen an erlernte er mit Leichtigkeit jedes Musikinstrument, das ihm unter die Finger kam; etwa vierzig sollen es insgesamt geworden sein. Neben Klavier und Geige waren darunter die seinerzeit beliebten Zupfinstrumente Gitarre, Balalaika, Mandoline und Banjo, ferner Saxophon, Xylophon und die “Singende Säge”, schließlich Bandoneon und natürlich das Akkordeon. Vor dem Krieg leitete Heinz Gerlach ein Akkordeon-Ensemble sowie eine Balalaika-Gruppe, mit der er selbst als Bandoneon-Solist auftrat. (Photos als Beleg)

Heinz war unglaublich kreativ und notierte bei jeder Gelegenheit ständig sprudelnde musikalische Einfälle; nachweislich schuf er 59 Tanzstücke. Der überwiegende Teil ging leider im Krieg verloren oder schlummert vielleicht unveröffentlicht in Verlagsarchiven; nur die Noten seiner bei Edition Metropol erschienenen Stücke sind derzeit noch erhältlich. Nicht nur die Musikstücke, sondern auch manche Titel seiner Akkordeon-Soli, wie „Tanzende Finger“ oder „Tastenzauber“ sind ihm bestens gelungen. Titel verschollener Stücke lassen vermuten, dass er außer beschwingten Polkas, Foxtrotts und Musette-Walzern auch Tango, Paso-Doble und sonstige, seinerzeit moderne Tänze komponierte. Zu einigen dieser Stücke verfasste er auch Liedtexte.

Um Heinz Gerlach scharte sich eine Gruppe von Musikern, die dem beim Volk beliebten, bei den Mächtigen jedoch ungern gesehenen Swing-Stil huldigten. Jazz galt damals als undeutsche und daher verpönte „Negermusik“. Zu diesen Kameraden gehörten außer seinem engen Freund Heinz Munsonius (1910 – 1963), der ihm auch musikalisch nahe stand, vor allem der Akkordeonvirtuose Horst Wende (1919 – 1996) und der Jazzgeiger Helmut Zacharias (1920 – 2002).

Heinz Gerlach spielte seine Kompositionen selbst ein und presste sie in Eigenfertigung auf rote Schellackplatten. Seine Studio-Werkstatt mit sämtlichen Materialien und Tonträgern wurde im Bombenkrieg vernichtet; Interpretationen seines Freundes Munsonius dürften aber Gerlachs Stil entsprechen. Auch Joe Alex (1895 – 1973), Will Glahé (1902 – 1989), Johnny Meyer (1912 – 1992) und Horst Wende spielten Gerlachs flotte Stücke. Gerlachs bester Wurf, die spritzige Harmonika-Polka „Tanzende Finger“, wurde zum berühmtesten Akkordeon-Solo überhaupt und gehörte seinerzeit in das Repertoire jedes fortgeschrittenen Akkordeonisten. Dieser Akkordeon-Trumpf animierte in der Folge zu etlichen Arrangements für verschiedene, teils ganz ausgefallene Besetzungen, beispielsweise für Blaskapelle, Mandolinen-Ensemble oder gar für Kinderchor. Hier können Sie meine Version für Akkordeon zu drei Händen anhören. Könnte es so geklungen haben, wenn Gerlach und Munsonius gemeinsam musizierten?

Heinz Gerlach vererbte das musikalische Talent an seinen Sohn Gerhard Gerlach (1934 – 1991), der in Trossingen Musik studierte und in Flensburg als Akkordeonist, Leiter eines Akkordeon-Orchesters, Organist, Chorleiter, Musikerzieher und auch als Komponist wirkte. Er schrieb einige Stücke für Akkordeon und unter anderem die Bühnenmusik zum niederdeutschen Lustspiel “Rund um Kap Horn” von Fritz Wempner (1910 – 1994).

Nicht verwandt mit Heinz Gerlach ist – trotz auffälliger Ähnlichkeiten – der Akkordeonist, Orchesterleiter und Komponist Kurt Gerlach, der eine 1954 erschienene Akkordeon-Schule verfasste und gemeinsam mit Günter Schönfeld mehrere Stücke für Akkordeon-Orchester schrieb.

Werke

24 Tanzstücke für Akkordeon:

Anmerkung: Die Noten zu den vorigen 12 Stücken sind noch erhältlich beim Verlag Edition Metropol.

Quellennachweis

  • Ursula Krenz (Tochter), private Kommunikation.
  • Hans-Jürgen Gerlach (Enkel), private Kommunikation.
  • Hofmeisters musikalisch-literarische Monatsberichte der Jahrgänge 1936 bis 1947.
  • Deutsche Nationalbibliothek,  Musikarchiv.